Der Drogenhandel ist in unserem Kanton nach wie vor weit verbreitet. Die gross angelegten Einsätze der Walliser Kantonspolizei – im November 2024 in Verbier und im Februar 2025 in Siders – haben das Ausmass des Problems deutlich aufgezeigt. Zum internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch und unerlaubten Suchtstoffverkehr richten die Grünliberalen einen offenen Brief an den Staatsrat. Darin fordern sie ein entschlosseneres und koordiniertes Vorgehen zur wirksamen Bekämpfung des Drogenhandels im Kanton Wallis.
Ein besorgniserregendes Phänomen
Als der Chef der Bundeskriminalpolizei, Yanis Callandret, im April in den Medien zur zunehmenden urbanen Gewalt in Ländern wie Belgien, den Niederlanden oder Schweden befragt wurde, sagte er: “Es gibt keinen Grund zu glauben, dass die Schweiz davon verschont bleibt. Es wird früher oder später auch hier geschehen.“
Das Wallis – insbesondere seine touristisch geprägten Regionen – dürfte eine erhöhte Nachfrage nach Kokainkonsum verzeichnen. Dies birgt die Gefahr, dass ähnliche Formen urbaner Gewalt auch bei uns auftreten, wie sie bereits in anderen Teilen Europas zu beobachten sind.
Eine naive Politwelt
Die Walliser Politik setzt sich bislang kaum mit der internationalen Entwicklung des Drogenhandels auseinander. Im Grossrat wurde in den letzten Jahren kein einziger Vorstoss zu diesem Thema eingereicht. Gemäss den Statistiken der Walliser Kantonspolizei wurden im Jahr 2023 insgesamt 3’070 Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz verzeichnet. 87% davon betrafen den Konsum, 13% standen im Zusammenhang mit dem Handel. Der Bericht zeigt zudem, dass der Zugang zu Kokain in den letzten Jahren deutlich einfacher geworden ist. Rund 42% der erfassten Täter sind Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren oder junge Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren.
Diese Entwicklung ist höchst besorgniserregend und erfordert eine rasche und entschlossene politische Reaktion.
Vorausschauen, bevor es zu spät ist
In Belgien hätte sich lange niemand eine derart dramatische Entwicklung vorstellen können. Auch näher bei uns, im Kanton Genf, hat die Verbreitung von Crack zu erheblichen Problemen geführt. Drogen kennen keine Grenzen – und auch das Wallis wird sich diesem Trend nicht dauerhaft entziehen können. Die jüngsten Polizeieinsätze bestätigen diese besorgniserregende Tendenz.
Nur wer jetzt handelt, kann einer unkontrollierten Ausbreitung entgegenwirken und verhindern, dass sich Drogenmärkte dauerhaft in unserem Kanton verankern.