Am 12. März 2026 hat der Grosse Rat das Gesetz über die Gesellschaft für die Verwaltung und den Betrieb des Flughafens Sitten verabschiedet. Am 1. Juli wurde ein Referendum gegen diesen Text eingereicht: 4’700 gesammelte Unterschriften, davon 3’813 beglaubigt, deutlich mehr als die 3’000 erforderlichen. Die Grünliberalen Wallis gehören dem Referendumskomitee an. Unsere erste Motivation ist wirtschaftlicher Natur:
Diesem Flughafen fehlt ein tragfähiges Geschäftsmodell, und dieses Gesetz bindet öffentliche Gelder langfristig in eine unsichere Wette.

Ein Flughafen ohne Markt
Die jüngste Geschichte spricht für sich. Der Konkurs von Air Mountain, das eine der wenigen regelmässigen Verbindungen ab Sitten sicherstellte, reiht sich in eine lange Serie von Fehlschlägen ein. Swiss, Crossair, Powdair, Titan Airways und British Airways haben alle versucht, in Sitten einen kommerziellen Betrieb aufzubauen, ohne sich je dauerhaft zu halten.
An Hindernissen mangelt es nicht: ein anspruchsvoller Anflug wegen des alpinen Geländes, die Nähe zu drei konkurrierenden Flughäfen (Genf, Mailand, Zürich) und die Koexistenz mit der Militäraviatik. Unter diesen Bedingungen bleibt die Rentabilität ein frommer Wunsch. Der Flughafen weist ein jährliches Defizit von rund drei Millionen Franken auf, und seine Rentabilitätsschwelle wird auf 71’000 Passagiere geschätzt, also fast 80 % mehr als die 39’587 Passagiere von 2025. Nur wenige Geschäftsmodelle folgen solchen Kurven.
Auch die angebliche « qualitative Entwicklung » hält der Prüfung nicht stand: In beiden offiziellen Szenarien steigt die Zahl der Flugzeuge stärker als jene der Passagiere. Mit anderen Worten: mehr Flugbewegungen für kaum mehr Menschen.
Öffentliche Gelder am falschen Ort
Gewisse Aufgaben liegen im öffentlichen Interesse und müssen erhalten bleiben: Rettung, Ausbildung, Wartung und Innovation. Diese verteidigen wir. Öffentliche Mittel jedoch vor allem für den Geschäftsflugverkehr und Privatjets einzusetzen, ist eine falsche Prioritätensetzung.
Die Zahlen bestätigen es. Von 75 Millionen Franken wirtschaftlicher Wertschöpfung fliessen bloss 3 Millionen in den Tourismus. Der Nutzen kommt vor allem einer Nischenluftfahrt zugute, nicht der Walliser Bevölkerung. Die Rechnung hingegen verlagert sich auf die öffentliche Hand: Der Anteil des Kantons stiege von rund 50 % auf fast 70 %, mit möglichen Bürgschaften von bis zu 30 % des Jahresbudgets.
Bei vergleichbarem Mitteleinsatz würde ein besserer Zugang mit dem öffentlichen Verkehr zu unseren
Feriendestinationen einen weit grösseren Teil der Gäste erreichen. Das wäre eine Investition, deren gesellschaftlicher Nutzen sich tatsächlich belegen liesse.
Eine Führung ohne den Grossen Rat
Unsere Forderung ist nicht neu. Bereits in unserer Stellungnahme von 2024 haben wir eine rote Linie gezogen: Wir lehnen eine Gesellschaft ab, in deren Verwaltungsrat kein Mitglied der Legislative Einsitz nimmt. Wir verlangten die Einbindung des Grossen Rates, nach dem Vorbild des Flughafens Genf, wo jede im Parlament vertretene Partei ein Verwaltungsratsmitglied bestimmt. Diese demokratische Garantie
wurde nicht übernommen. Lärm, Umweltbelastung und die geplante Entwicklung betreffen jedoch unmittelbar die Bevölkerung: Sie muss auf die Entscheide Einfluss nehmen können.
Klimatische folgen
Das ökologische Argument ergänzt das Bild, es trägt es aber nicht. Der von den Behörden beworbene « nachhaltige Luftverkehr » ist weitgehend Greenwashing: Die kommerzielle Luftfahrt bleibt kurz- und mittelfristig von fossilen Treibstoffen abhängig, und die Elektrifizierung beschränkt sich auf kleine Maschinen. Der Ausbau des Geschäftsflugverkehrs steht im Widerspruch zur Klimaneutralität, die der Kanton bis 2040 anstrebt, und zu seiner Energiestrategie 2060. Doch selbst wenn man diese Dimension beiseitelässt, genügt der
wirtschaftliche Befund: Dieses Projekt trägt nicht.
Der Bevölkerung das Wort geben
Dieses Gesetz abzulehnen, heisst nicht, den Flughafen zu schliessen. Es heisst, öffentliche Gelder nicht dauerhaft in ein wackliges Modell zu binden und ein besseres Projekt zu verlangen: wirtschaftlich solider,
demokratischer und stärker auf die tatsächlich im öffentlichen Interesse liegenden Funktionen ausgerichtet. Das Referendum gibt der Walliser Bevölkerung die Gelegenheit, eine wichtige gesellschaftliche Frage zu entscheiden: Wofür wollen wir unsere öffentlichen Gelder einsetzen?
Wir sagen Nein zu diesem Gesetz. Wir sagen Ja zu einer demokratischen Debatte und zu einer Infrastruktur im Dienst der gesamten Bevölkerung.
Grünliberale Wallis (GLP Wallis)
